Manchmal schlägt das Leben eine Richtung ein, die man selbst niemals bewusst gewählt hätte

Und schon gar nicht dann, wenn man gerade davor unglaublich beeindruckende und schöne Monate im Ausland verbringen und seinen Traum leben durfte.

Im Oktober 1999 kam ich nach einem halben Jahr in Kanada zurück nach Graz. Ich wollte beruflich wieder Fuß fassen und mit all den unglaublich prägenden und wertvollen Erfahrungen durchstarten.

Doch dann, im Dezember, geschah etwas, das alles veränderte. Mit gerade einmal 23 Jahren bekam ich die niederschmetternde Diagnose: Krebs.

Was das mit mir machte, ist schwer zu beschreiben. Die Leichtigkeit des Seins war von einer Sekunde auf die andere verschwunden. Der Wunsch, gesund zu bleiben und einfach weiterzuleben, wechselte sich ständig mit Angst, Sorge und einem völlig neuen, übersensiblen Körperbewusstsein ab.

Ein normales Leben war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich – auch wenn es von außen betrachtet nach vielen Jahren vielleicht wieder so schien. Der Gedanke und die Gewissheit, gesund zu sein, waren mit einem Schlag verschwunden und kamen letztlich bis heute nicht mehr vollständig zurück.

Doch wie soll ein Leben weitergehen, wenn man eigentlich gerade erst am Anfang steht und finanziell nicht abgesichert ist?

Damals war unser Gesundheitssystem noch nicht wirklich auf solche Herausforderungen ausgerichtet. Körperliche Ursachen wurden operativ entfernt und mit den gängigen medizinischen Mitteln behandelt. Für die psychische Seite gab es weit weniger Unterstützung – und eine professionelle Behandlung war für mich damals auch finanziell keine machbare Option.

Also versuchte ich, selbst damit fertigzuwerden. Zu lernen, damit umzugehen. Mich aufzuraffen. Wieder Vertrauen zu finden.

Doch das war schwer. Die Ungewissheit machte mir am meisten zu schaffen.

Trotzdem ging das Leben weiter.

Ich versuchte, die ständige Angst anzunehmen und mit der Unterstützung meiner Partnerin und meiner Familie Schritt für Schritt wieder voranzukommen.

Aber alles, was von diesem Zeitpunkt an geschah, hat mein Leben bis heute tiefgreifend geprägt – vor allem meine Sicht auf die eigene Lebenszeit und ganzheitliche Gesundheit, auf Zwischenmenschlichkeit, Empathie, Beziehungen, Familie und Erfolg. Eben auf all das, was in meinem Leben damals und heute wirklich zählt.

Und so begann ich langsam und auf mich gestellt, meinen Weg zurück in ein „normales“ Leben zu finden, den Grund für diese schwere Erkrankung zu verstehen und neue Zuversicht zu gewinnen.